Kira

Kira

Beitragvon Iska » Do Jun 04, 2015 10:56 pm

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Foto vom "Die Befreiten", August 2010

Kira stammt aus einem kleinen Dorf nördlich des großen Sees in Ostfîn. Während des Fînkrieges im Jahre 1206 schloss sie sich den Roten Drachen an.

Ihre Familie litt unter der kriegsbedingt schlechten Ernte und Kira wollte nicht tatenlos verhungern, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Nach Kriegsende blieb sie bei den Söldnern. Im Hauptquartier lernte sie während eines langen Winters von einem Reisenden Lesen und Schreiben, und auch andere Fähigkeiten konnte sie sich aneignen. Kira kann von allem ein bisschen, aber nichts wirklich gut. Leichtere Reparaturen an Kleidung und Rüstungen bekommt sie hin. In ihrer freien Zeit im Hauptquartier bevorzugt sie Würfelspiele und Musik, sie singt gerne und leiht sich ab und zu mal Zarrâks Trommel aus. Hauptsache, die Stimmung ist gut.

...

Ich spiele diesen Charakter seit 2010 immer mal wieder, im Vergleich zu Zarrâk aber nicht besonders oft. Ursprübglich war Kira ein Schnell-mal-eben-Wegwerfcharakter für Cons, auf denen Orks nicht akzeptiert sind, oder für die eigenen Rote-Drachen-Cons, um als SL nicht OT den SCs etwas vertellen zu müssen, sondern IT interagieren zu können.
Und dann kam das Rote Drachen 5 (März 2014) und ein NSC-Haufen, der diesen Charakter am Sonntag Vormittag kurz vorm Time-Out gefangen nahm und ein Dialog... "Sollen wir sie laufen lassen?" - "Nö, da kann man noch was draus machen!" ... Und so kam es dann zur Planung einer weiteren Con 7 Monate später (Unterwegs 2, Oktober 2014)
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Re: Kira

Beitragvon Iska » Do Jun 04, 2015 11:36 pm

An diesem Tag waren sie wieder gekommen. Artemische Soldaten, die sie zur Folterkammer schleppten. Kira wusste nie, wann es wieder soweit sein würde, ständig hatte sie Angst, von der sie hoffte, sie noch eine Weile verstecken zu können.

Das ging nun schon seit Monaten so. Im März war sie in artemische Gefangenschaft geraten, und die Artemier hatten schnell begriffen, dass sie für Fînaka wichtig war. Sie war zwar keine herausragende Kriegerin, aber sie hatte immerhin die fînakanische Armee angeführt und dafür gesorgt, dass jemand die Palisade des Grenzpostens sprengte, wobei auch einige artemische Soldaten starben. Und sie wusste ziemlich viel. Wissen, dass den Artemiern im Kampf gegen Fînaka noch sehr gelegen kommen könnte.
Noch am Grenzposten hatte man sie geschlagen und ausgepeitscht und sich dann beraten, ob sie noch nützlich sein würde. Kira hatte geschwiegen. Nun saß sie in diesem düsteren Bergwerk fest, von dem sie noch nicht einmal wusste, wo genau es war. Offensichtlich versuchte man, sie mit harter Arbeit und ständiger Dunkelheit zu brechen. Außerdem hatte sie so keine Zeit und auch keine Kraft für Fluchtpläne. Niemand wusste hier, wann Tag und wann Nacht war, dunkel war es immer, und die Zeiten zu denen man die Gefangenen arbeiten ließ, waren unregelmäßig, die Zeit zum Schlafen jedoch immer zu kurz.

Bisher war sie standhaft geblieben. Das einzige, was die Artemier von ihr erfahren hatten, war ihr Name gewesen. „Ich heiße Kira!“, hatte sie ihren Peinigern entgegen geschrieen, als man ihr die Zahl XVII auf den Handrücken tätowiert hatte. Kriegsgefangene wurden hier offensichtlich einfach durchnummeriert. Es war so verletzend und frustrierend, nur noch eine Nummer zu sein, ein Ding, das man herumschubsen und ausbeuten konnte.

Anfangs hatte sie sich die Zelle, in die sie zum Schlafen gesperrt wurde, mit zwei weiteren Gefangenen teilen müssen. Nummer XII war vor zwei Tagen gestorben. Kira und der andere übrig Gebliebene hatten versucht, es so aussehen zu lassen, als ob der dritte noch leben würde, um weiterhin Essensrationen für drei Personen zu bekommen. Diese Portionen waren ohnehin ziemlich mickrig. Die Aufseher waren allerdings ziemlich schnell dahinter gekommen und außer weiteren Schlägen hatte es Kira und ihrem Leidensgenossen nichts eingebracht.

Und an diesem Tag war es dann passiert. Wieder folterte man Kira, und wieder bemühte sie sich, das irgendwie auszuhalten. Sie verließ sich darauf, dass die Artemier sie schon nicht umbringen würden, bevor sie hatten, was sie wollten. Und sie hoffte, dass ihr, bis es soweit war, noch irgendetwas eingefallen war. Dass sich eine Fluchtmöglichkeit auftat, oder irgendetwas anderes, das helfen würde. Nun aber war es passiert. Die Artemier hatten von ihr erfahren, dass es einen Geheimgang in die Stadt am See gab. Und unglücklicherweise erkannten die Artemier auch, dass Kira den geheimen Eingang kannte.

Nun saß sie zusammengekrümmt in einer Ecke der kleinen Zelle und weinte. Wäre sie doch nur am Grenzposten in der Schlacht gestorben! Das wäre wenigstens ehrenhaft gewesen. Sie liebte ihre Heimat und war immer bereit gewesen, für Fînaka zu sterben, wenn es dem Land und seinem Volk helfen würde. Und nun war sie zur Verräterin geworden und schadete ihrem Volk. Diese Erkenntnis war schlimmer als jeder körperliche Schmerz. Hatte sie sich wirklich eingebildet, sie würde hier ewig durchhalten? Sie war verzweifelt, fühlte sich müde und zerschlagen. Wenn sie doch nur ein Messer hätte. Sie hatte große Angst davor, noch mehr zu verraten.
„Töte mich“, sagte sie zu dem anderen Fînakaner. „Erwürg mich, erschlag mich, tu irgendetwas!“
Der andere meinte jedoch, dass die Artemier ihm mit schlimmsten Strafen gedroht hatten, für den Fall, dass Kira starb. Man hatte wohl schon mit solchen Gedanken gerechnet. Dagegen warteten größere Essensrationen und vielleicht sogar die Freiheit auf ihn, wenn er Kira kriegsrelevantes Wissen entlocken würde. Er kam aus ihrer Heimat, aber trauen durfte sie ihm nicht. Seit Monaten schon durfte sie niemandem mehr trauen. Selten hatte sie ihre Familie so sehr vermisst wie jetzt.

- - -

Einige Tage später riss man sie mitten im Schlaf brutal von ihrem Lager hoch, und bedeutete ihr, zu folgen. Überrascht und auch erleichtert stellte Kira fest, dass diesmal nicht die Folterkammer das Ziel war. Nachdem die Soldaten sie durch viele Gänge geführt hatten, kam sie endlich wieder an die Oberfläche des von ihr mittlerweile so verhassten Berges. Es war gut, dass es Nacht war. Nach so langer Zeit unter Tage hätte die Sonne sie sehr geblendet. Dass die Artemier den Zeitpunkt aus Rücksicht auf ihre Augen so gewählt hatten, wagte sie allerdings zu bezweifeln. Man fesselte ihr Arme und Beine und warf sie auf einen Karren. Ein Soldat stülpte ihr einen Sack über den Kopf, sodass sie nun gar nichts mehr sehen konnte.
Stunden dauerte die holperige Fahrt. Niemand sprach. Es gelang Kira nicht, abzuschätzen wie viele Soldaten in ihrer Nähe waren oder wohin es ging.

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde sie unsanft vom Karren gestoßen. Jemand zog den Sack von ihrem Kopf und sie erkannte den Grenzposten. Es war immer noch dunkel. Oder schon wieder? Hatte sie in der Zwischenzeit geschlafen? Sie wusste es nicht. Allerdings knurrte ihr Magen nun ziemlich laut und einer der Soldaten lachte darüber. „Na, Nummer XVII, du hast doch nicht etwa Hunger?“, höhnte er, und biss anschließend herzhaft in einen Apfel. Kira spuckte in seine Richtung und wünschte sich, mit Blicken töten zu können. Die Antwort darauf waren weitere harte Schläge. Die Soldaten schienen ihren Spaß daran zu haben.

Offensichtlich planten die Artemier einen längeren Aufenthalt. Jemand zündete ein Lagerfeuer an, ein anderer baute ein Zelt auf, Kira wurde an einen Baum gekettet. Ein Kiefernzapfen flog vor Kiras Füße. Ein Kiefernzapfen? Weit und breit stand keine Kiefer. Sie schaute zum Waldrand und nahm eine Bewegung im Gebüsch wahr. Gab es doch noch Hoffnung? Die Artemier teilten Nachtwachen ein und legten sich schlafen. Ein weiterer Kiefernzapfen fiel vor Kiras Füße. Ihre Bewacher schienen es nicht zu bemerken. Da hörte sie hinter sich ein Flüstern im Gebüsch. Die Artemier, die dichter am knackenden und prasselnden Feuer saßen, hörten es offensichtlich nicht. Zunächst verstand Kira nicht den Sinn der Worte, dann wurde ihr klar, dass diese Worte in der Sprache der Orks geflüstert wurden. Zum Glück konnte sie ein paar Brocken davon verstehen. „Bugdu-izub kulat Guldrûz“, sagte der andere, und Kira verstand. Das war Guldrûz, einer von Zarrâks wenigen wirklich guten Freunden. Die Ketten konnte Guldrûz ohne Werkzeug und ohne Lärm nicht lösen, aber über ihn konnte ihr Söldnerhaufen erfahren, wo sie war. „Kulizg Kira“, antwortete sie. Ich bin Kira. Und es tat gut, ihren Namen zu hören und nicht diese verfluchte Nummer, auch wenn sie selbst es war, die ihn aussprach. Sie erzählte so leise wie möglich, dass sie verraten hatte, dass es einen Geheimgang gab. Vielleicht konnte Guldrûz die Stadt warnen? Sie musste länger überlegen, um die richtigen Worte in der fremden Sprache zu finden. Wie Gemurmel im Schlaf hörte sich das für die Nachtwache offensichtlich nicht mehr an, ein Soldat stand auf und kam auf sie zu. Ein weiteres Rascheln am Waldrand verriet Kira, dass Guldrûz sich aus dem Staub gemacht hatte. Hatte er noch gehört, was Kira ihm gesagt hatte? Ihr blieb keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, denn ein Schlag auf den Hinterkopf ließ sie zusammensacken.


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Die Söldner saßen gerade im Hauptquartier zusammen bei ein paar Fässchen Bier, als jemand hereinplatzte
Während der Wirt schnell aufsprang, weil der Krieg ihn hatte nervös werden lassen, blieb Hartmut ruhig sitzen. Sollte sich tatsächlich mal wieder ein Häufchen Räuber zu ihnen verirrt haben, würden die Söldner eben bald wieder ein Kopfgeld einstreichen können. Ein Blick zur Tür verriet ihm allerdings, dass es sich nicht um Räuber handelte. Wer da hereinpolterte und dabei Lärm für fünf machte, war ein Ork, der sich hier öfter blicken ließ. Es war Guldrûz, der die Überfälle auf die artemischen Versorgungstruppen auf die Beine gestellt hatte. Ein wertvoller Verbündeter im Krieg, allerdings auch etwas unheimlich. Er konnte unglaublich laut sein, so wie jetzt, und im nächsten Moment schlich er sich an einen an ohne, dass man auch nur irgendetwas davon mitbekam.
Guldrûz stürmte am Tresen vorbei, riss dabei Kirsat und Nûrdrak mit sich, die dort getrunken hatten, und fläzte sich neben Zarrâk auf einen Stuhl in der hintersten Ecke der Taverne, dicht am Tresen. Er begann eine lautstarke Diskussion, deren Sinn Hartmut jedoch nicht verstand. Die Sprache der Orks hatte er bis heute nicht gelernt, er wollte keinen Knoten in seiner Zunge riskieren.
Nur wenige Minuten später verschwand Guldrûz so schnell wie er gekommen war wieder.

Zarrâk stand auf, brüllte einmal laut: „Ruhe!“, und sofort wurde es still im Raum. Dann erklärte sie, Guldrûz hätte berichtet, er hätte Kira gefunden. Sie und einige artemische Soldaten waren auf dem Weg zu einem der Geheimgänge, über die die Stadt am See im Fall einer Belagerung versorgt werden konnte. Leider wusste er nicht, zu welchem von den dreien. Er konnte auch nicht sagen, ob die Artemier überhaupt wussten, dass es mehr als einen gab. Sollten die Artemier von den Geheimgängen erfahren, war es kaum noch möglich, die Stadt am See gegen sie zu verteidigen. Kira durfte auf keinen Fall noch mehr verraten! Vielleicht war das aber auch die Gelegenheit, auf die sie alle gewartet hatten, um die vermisste Söldnerin zu befreien.
Zarrâk begann, ihre Truppe aufzuteilen. Kirsat, Nûrdrak und Grish’akûl sollten zu dem Ausgang im Norden gehen, Zarrâk selbst, Nemeson und Keldor würden sich den Ausgang im Bärenwald vornehmen, und Harkon, Scylla und Meles sollten zum Ausgang im Süden gehen. Die anderen sollten sich aufteilen, Grish’akûl, Zarrâk und Harkon sollten die Gruppen anführen. Derart aufgeteilt wurde schnell deutlich, wie viele Verluste die Söldner im Krieg hatten hinnehmen müssen. Hartmut stand auf, kletterte auf den Tresen und rief: „Ist hier noch jemand, der noch eine Rechnung mit den Artemiern offen hat? Ist hier noch jemand, der verhindern will, dass eine Kriegerin, die ihrer Heimat immer treu gedient hat, gezwungen wird, zur Verräterin zu werden? Ist hier noch jemand, der den Mut hat, uns zu folgen? Ich werde dabei sein! Und wenn wir uns in ein paar Tagen alle in der Unterwelt oder sonst wo wiedersehen sollten! Mir soll keiner nachsagen können, ich wäre feige gewesen als es drauf ankam! Dann bewegt eure Ärsche und packt eure Sachen, wir sollten so schnell es geht aufbrechen! Sollte sich hier aber ein Römer verbergen… Verräter nehmen wir nicht mit!“

Als Hartmut wieder vom Tresen heruntersprang, waren bereits viele aufgestanden, die zwar nicht zu den Roten Drachen gehörten, aber offensichtlich folgen würden.
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