Edwill, Söldnerpriester von Saria

Edwill, Söldnerpriester von Saria

Beitragvon Stef » Mo Okt 26, 2015 1:50 am

So, hier einmal der Hintergrund zu meinem neu eingeführten Charakter Edwill, dem Huren/Söldnerpriester von Saria, dem einige von euch ja vielleicht schon begegnet sind:

Edwill, Söldnerpriester von Saria

Edwill ist ein Säufer und Hedonist, ein versauter Schwerenöter und loyaler Freund. Er hat vielleicht mehr schlechte als gute Seiten, aber er versucht es anderen Leuten nicht zu schwer zu machen ihn zu mögen. Die Taverne ist eher sein zu Hause als das Schlachtfeld, aber er geht diesem auch nicht unbedingt aus dem Weg, tatsächlich mag er sogar anderen Leuten den Schädel einschlagen, fast so sehr wie sich mit Freunden hemmungslos zu betrinken, dreckige Lieder zu singen und mit einer schönen Frau das Lager zu teilen. Man muss das Leben eben packen und schütteln, das sagt er jedenfalls.

Ach ja, und er ist Priester. Wie sich das nun genau äußert ist manchmal etwas fragwürdig, aber zumindest lebt er nach den Statuten seiner Gottheit.

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Methus war ein Trinker und ein Raufbold, ein ungehobelter, wütender und frustrierter Mann, ein Hafenarbeiter in Eneria der es nie aus seiner Heimatstadt heraus geschafft hatte. Der einzige gute Zug an ihm war, dass er seine Familie liebte, doch dies zeigte er stets auf die falsche Art. Er trank zu viel, verzockte das Geld, prügelte sich und war, trotz aller Mühe, ein Rabenvater. Und irgendwann kam er aus der Kneipe nicht nach Hause, da er sich tot gesoffen hatte. Einfach tot vom Stuhl gekippt, ein passender, unrühmlicher Abgang für einen unrühmlichen Mann.

Seine Ehefrau, Mala, war verzweifelt. Wie sollte sie nun die Kinder ernähren? Und nach mehreren sehr harten Monaten finf sie an sich selbst zu verkaufen, zuerst als Gegenleistung für andere Dinge, später für Geld. Sie hatte fünf Kinder und trotz ihres neuen Berufes, reichte es vorne und hinten nicht. Ihre beiden Töchter schickte sie als Dienstmädchen in das Haus eines reichen Hädnlers, für ihre beiden ältesten Söhne suchte sie vernünftige Lehren. Aber ihren jüngsten Sohn verkaufte sie. Ja, richtig gehört, sie verkaufte ihren jüngsten Sohn, und zwar an Saria, die Göttin der Hurerei, des Saufens und des Kampfes.

Saria's Priesterschaft nahm den Jungen auf, im Gegenzug wurde Mala mit Schönheit und Glück gesegnet, jedenfalls was das Geschäftliche anging. Inzwischen gehört ihr das größte Hurenhaus von Eneria, während sie es geschafft hat ihren Kindern ein vernünftiges Leben zu ermöglichen, jedenfalls vier von fünf. Die Mädchen sind inzwischen Frauen und haben selber Familien, die beiden Söhne haben gute Lehren gemacht und arbeiten als Handwerker. Aber ihr Jüngster...

Nun ja, ihr jüngster Sohn ist der, um den sich diese Geschichte eigentlich dreht.

Mit sechs Jahren wurde Edwill von seiner Mutter Mara, die er selber nur mit äußerst unflätigen Namen benennt, in den Tempel von Saria gebracht und angewiesen dort zu bleiben, sie würde ihn später abholen. Sie hatte nicht einmal die Courage ihm zu sagen was wirklich geschehen war und warum er dort war, dies machte der Hohepriester des Tempels.

Nicht dass Edwill schlecht aufwuchs. Man kann viel über die Priesterschaft von Saria sagen, aber dass sie per se schlechte Menschen sind ganz gewiss nicht. Sie sind vielleicht verantwortungslos, leichtsinnig, unverfroren, ungehemmt, hedonistisch und neigen zu Stimmungsschwankungen, aber sie sind keine bösen Menschen. Und sie wissen wie man feiert.
Edwill wuchs von dann an im Tempel von Saria auf, was auch die Schänke und das Hurenhaus beinhaltete welche angeschlossen waren an den Tempel. Er half in der Schänke, lernte lesen und schreiben, hatte immer irgend jemanden der sich um ihn kümmerte, hatte ein Dach über dem Kopf und musste weder Hunger noch Durst leiden. Mit sieben Jahren wusste Edwill wie man am besten Bier zapft ohne dass es zu sehr schäumt oder überläuft, außerdem wusste er die besten Tricks um sich in Schlägereien sofort zu verdrücken.

Erst als er dreizehn war wurde er WIRKLICH darin unterwiesen was es heisst Saria zu dienen. Das war der Zeitpunkt an dem er heraus fand, dass er absolut keine Wahl hatte in dieser Bezeihung. Selbst wenn er sich sowieso dafür entschieden hätte dies zu tun, so war die Realisation, dass er auf Gedeih und Verderb der Hure ausgeliefert war und er nichts dagegen tun konnte alles andere als schön. Noch dazu weil seine eigene Mutter ihn verkauft hatte. Ob für einen guten Grund oder nicht sei dahin gestellt, aber das Wissen darum verbitterte ihn. Und es führte dazu, dass er sich lediglich noch leidenschaftlicher in den Exzess, welcher um ihn herum tobte, hinein warf.

Er soff, er vögelte, er fluchte und prügelte sich, er genoss den Segen der Hurengöttin und er erlitt ihren Fluch am nächsten Morgen. Wenn das Geschäft, und der Tempel, gut liefen so warf er sein Geld zum offenen Fenster heraus, wenn es nicht so gut lief bettelte er oder spielte um Geld, oft nicht sehr erfolgreich. Kurz gesagt, er tat genau das, was seine Göttin von ihm verlangt. Gleichzeitig verfluchte und doch liebte er die Hure bis in alle Ewigkeit, ob er damit nun seine Mutter meinte oder Saria ist fragwürdig.

Wahrscheinlich wäre Edwill einfach in irgend einer Kneipe in Eneria bei einer Schlägerei gestorben, wäre es nicht zu einem folgenschweren Ereignis gekommen, an dem er selber nicht einmal Schuld hatte. Tatsächlich hatte er nur entfernt etwas mit der ganzen Sache zu tun gehabt und dennoch war er einer der Leidtragenden gewesen.

Söldner, Händler, fahrendes Volk und alle anderen Sorten von Leuten kamen durch Eneria und brachten Geschichten, Kleinod und vor allem Geld in die Stadtmauern. Eine kleine Gruppe von reichen Händlern hatte die Regierung der Stadt praktisch in der Hand, der Bürgermeister kaum mehr als eine Marionette von ihnen. Nicht wenige der armen Bürger der Stadt waren unzufrieden mit den Umständen, doch im Jahr 1210 explodiert die Stimmung in Gewalt.
Wie jedes Jahr wurde das Bierfest gefeiert, wie jedes Jahr im Hochsommer wenn die Tage lang und die Nächte kurz aber stimmungsvoll sind. Es war die Zeit des Jahres, in welcher die Tavernen der Stadt am meisten Umsatz machten, die Hurenhäuser voll waren und die Stadt aus allen Nähten platzte mit Reisenden, Söldnern, Händlern und allen möglichem Volk welches dieses Spektakel, und den Exzess welcher stets folgt, geniesen wollten. Durch eine unglückliche Verkettung von Umständen, niemand weiß mehr genau was geschehen ist, wurde Tobald Erfass, Sohn vom reichen Tuch- und Bierhändler Merlkor Erfass, von einer jungen Frau welche eindeutig KEINE Hure sondern eine Söldnerin war übel verprügelt.

Leider wollte Tobald dies nicht auf sich sitzen lassen und kehrte am Abend zurück zum Ort des Geschehens, dem Tempel von Saria, im Schlepptau zwanzig Mann der Stadtwache. Wahrscheinlich wäre alles gut gegangen, hätte der Leutnant der Stadtwache nicht laut gerufen: "Alle raus hier, die Feierlichkeiten sind vorbei!"
Ein folgenschwerer Fehler.

Kurz vor Mitternacht tobte ein wütender Mob aus betrunkenen, pöbelnden und bewaffneten Leuten durch die Stadt und stürmte die Häuser der Pfeffersäcke, der reichen Händler. Die Stadtwache sowie angeheuerte Wachen wollten sie aufhalten, leider handelte es sich um einen wütenden Mob aus betrunkenen, pöbelnden, aufgebrachten, gut bewaffneten und kampferprobten Leuten. Ein Paladin schritt ein und wollte sie im Namen des Guten und der Götter beruhigen, allerdings wurde die Meute angeführt von den Priestern von Saria und somit war es ein wütender Mob aus betrunkenen, pöbelnden, gut bewaffneten und kampferprobten Leuten mit heiliger Mission. Danach half besagter Paladin bei der Erstürmung der Festungen des Bösen, wie er es selbst nannte.

Der wütende Mob, und ein Paladin, zerren die verschreckten und hilflosen Kaufmänner aus ihren Häusern und treiben sie mit Schimpf und Schande aus der Stadt. Und hätten sie hinter ihnen die Tore zu gemacht, so hätte das vielleicht sogar etwas gebracht.

(Übrigens erzählen seitdem in den Kneipen von Eneria einige Leute immer noch ehrfurchtsvoll von dem Anblick eines tapferen Recken in strahlender Rüstung, in einer Hand ein güldenes Schwert, in der anderen ein Krug so groß wie ein Kleinkind. Er stürmte vorwärts in eine Tür welche gerade geöffnet wurde und aus dem Fenster wieder heraus kommend, dabei nicht weniger als fünf Männer nieder streckend. Ob er sich danach erbrach oder nicht hängt von dem Erzähler ab.)

Als am nächsten Morgen der Segen von Saria verflogen war und ihr Fluch sich über die Meute legte gab es ein böses Erwachen. Bewaffnete Männer des Bürgermeisters räumten den Tempel von Saria und führten ihre Priester ab, während diese noch nicht einmal wussten was los war. Der Tempel wurde geschlossen, die Besitztümer beschlagnahmt, die Priester aus der Stadt geworfen, mit Androhung auf Todesstrafe sollten sie jemals zurück kehren.

Wehklagend, schimpfend und fluchend trieben sich die Priester noch zwei Tage und drei Nächte vor den Stadttoren herum, ehe sie sich trollten. Was die Stadtobersten nicht wussten war, dass während sie selber auf den Zinnen standen und über die machtlosen Priester lachten, besagte Priester den Zorn ihrer Göttin beschworen und einen Fluch auf die Stadt legten. Ob dieser Fluch wirkt oder nicht, dass kann noch niemand so genau sagen, aber Edwill hat jedenfalls nicht vor noch einmal zurück zu kehren.

Von da an wurde Edwill, wie auch seine Glaubensbrüder, Wanderpriester. Sie verkauften ihre Dienste an jeden der sie bezahlen konnte, wie eine Hure eben, und nicht selten sollte man von da an einen der ihren in der Gesellschaft von Söldnern finden, ist Saria doch auch eine Göttin des Kampfes. Söldnerarbeit, Betteln, Wetten, Abenteurertum und durchaus auch, wenn sie glauben damit davon zu kommen, Gesetzesbruch brachten den Priestern von da an Geld ein. In Kurz, sie taten alles, was ihnen Geld einbrachte, nur um es wieder mit beiden Händen aus dem Fenster zu werfen.

Edwill selber ließ sich einfach treiben. Ob aus Vertrauen in seine Gottheit, dem Glauben dass schon alles richtig gehen würde, oder einem Mangel an Glauben, das kann er nicht einmal selber sagen. Einige Tage verbrachte er im Vollsuff, manchmal wachte er völlig verwirrt irgendwo auf und hatte keine Ahnung wie er dahin gekommen war. Mal ging es gut, mal ging es schlecht und meistens hatte er absolut keine Ahnung was eigentlich los war. Nach einem äußerst unangenehmen Vorfall, über den er sich nicht äußert, fand er sich im Besitz einer Druckerei wieder und verspielte sie noch am gleichen Tag.

Es war an einem äußerst unangenehmen, verregneten Tag, als er sich abgebrannt, halb nackt und verkatert auf einer Straße irgendwo im Nirgendwo wiederfand. Er erhob sich mit schmerzenden Gelenken, verfluchte den Wagenführer welchen er bezahlt hatte sowie seine Göttin Saria, dann stolperte in eine zufällige Richtung. Und kurze Zeit später fand er sich von einer Gruppe Briganten umzingelt. Wissend dass sein Ende gekommen war spuckte er auf den Boden, verfluchte diese "Kurzschwänzigen Schweineficker" und zog seinen Dolch, das einzige was er noch bei sich hatte. Die Räuber lachten, schritten auf ihn zu und begannen ihn zu verprügeln, nicht einmal mit ihren Waffen benutzend. Und während Edwill auf dem Boden lag und fluchte, Blut spuckte und sich krümmte, rief er noch einmal Saria an und versprach ihr alles was sie wolle, wenn sie ihn retten würde. Dann fuhr ein schrecklicher Schmerz durch ihn und er verlor das Bewusstsein.

Als er wieder zu sich kam waren die Briganten tot, allesamt. Edwill war zerschlissen, ihm schmerzte alles und er blutete, aber er lebte. Und ihm fehlte das linke Auge, welches wie er instinktiv wusste, die Bezahlung gewesen war. Also nahm er grummelnd und fluchend und mit von Schmerz verzerrten Gesicht alles was ihm nützlich war und zog los, erneut den Weg entlang. Vierzehn Tage später kam er zu der Schänke im Kippenden Krug, dem Hauptquartier einer Söldnertruppe von gutem aber bescheidenen Ruf, wenn auch bekannt genug in Finaka. Und da er, wie immer, damit rechnete bald wieder abgebrannt zu sein, war die Aussicht auf Söldnertum vielleicht gar nicht so schlecht. Und wenn nicht... nun, die Schänke sah trocken und einladend genug aus, er würde wohl erst einmal nicht wieder gehen.
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Re: Edwill, Söldnerpriester von Saria

Beitragvon Iska » Mo Okt 26, 2015 8:31 pm

Toll geschrieben, macht richtig Spaß zu lesen.
Grish agh lûr !!!
Nork-latish amash nargzab brusat, skûtog amash kulat'lab!
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Re: Edwill, Söldnerpriester von Saria

Beitragvon Scylla » Di Okt 27, 2015 10:11 pm

Super Geschichte, gefällt mir richtig gut.
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Re: Edwill, Söldnerpriester von Saria

Beitragvon Stef » Fr Okt 30, 2015 1:42 pm

Freut mich, dass es euch gefällt :D Ich hatte die schon vor der Con geschrieben gehabt, wollte aber erstmal wissen ob der Charakter so funktioniert bevor ich das poste, falls ich nochmal was umschreiben muss.
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