Vorag "Gierling"

Vorag "Gierling"

Beitragvon Stef » So Apr 08, 2012 5:20 pm

So, direkt meine nächste Idee für einen Charakter da ich einfach viel zu viel Spaß am Verkleiden habe, als dass ich mich mit einem Menschen auf lange Sicht zufrieden geben würde. Ergo, ein Ork oder Goblin muss her. Da ich aber auch meine Vorliebe für Großmäuler und fluchende Mistkerle entdeckt habe, wird es halt ein Ork.

Denn im Ernst, ein Goblin, der sich wild fauchend und gestikulierend in die Schlacht stellt und dabei brüllt „ICH PISS EUCH IN DIE SCHÄDEL IHR ARTEMISCHEN ARSCHGESICHTER UND FICK DANN EURE TÖCHTER!!!“, ist eher lustig denn glaubwürdig.

Wenn es zu viel ist, zu dick aufgetragen oder es alles einfach so nicht passt, ändere ich es (un-)gerne.


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Vorag „Gierling“

Stammend aus dem Klan der Morrot, einem Ork-Klan angesiedelt am Rand Mundors, wuchs Vorag im Schoß einer großen Familie auf. Im Morrot-Klan ist es Brauch und Sitte, dass nur der Häuptling und seine Günstlinge Frauen, oder eher Gespielinnen, haben, was dazu führt, dass fast alle Mitglieder Kinder oder Neffen und Nichten des Häuptlings sind. Nicht selten verliert man da den Überblick, aber das nehmen die wenigsten zu genau und man nimmt es halt wie es kommt. Vorag ist der zweite Sohn der ehemals dritten Gefährtin des jüngeren Bruders des Häuptlings, aber keiner erwartet in diesem Klan je von einem anderen Mitglied sich genau zu merken, wer nun mit wem wie genau verwandt ist, wäre auch sehr kompliziert. Wie auch immer, der kleine Vorag wuchs mit einer ganzen Heerschar vermeintlicher Brüder und Schwestern auf, konnten auch Cousins und Cousinen ersten bis dritten Grades sein... oder alles zusammen und auf einmal.

Im Gegensatz zu seinen direkten Verwandten neigte Vorag jedoch schon von Kindesbeinen an dazu, eher klein zu sein, für orkischen Verhältnisse jedenfalls. Dadurch war er oft das Opfer von Prügel, Raufereien und einfach nur Gemeinheiten geworden, was er versuchte dadurch auszugleichen, dass er mindestens doppelt so laut und übel gelaunt war, wie seine größeren Geschwister. Während seine beiden direkten Brüder, sein großer und sein „kleiner“, also zusammen mit einer Hand voll anderer Kinder von einem alten Veteranen im Kampf mit Schwert, Schild, Axt oder was auch sonst gerade zur Hand ist ausgebildet wurden und lernten in dicker, geplünderter, Rüstung zu kämpfen, war das einzige was Vorag in die Hand gedrückt wurde eine Schleuder, die bevorzugte Fernkampfwaffe, eine kleine Axt sowie ein Jagdmesser. Man konnte über die Orks vom Klan Morrot sagen was man wollte, zum Beispiel dass sie schlecht riechen und besonders plünderfreudig waren und noch dazu extrem abergläubisch, aber definitiv nicht, dass sie ihre Kinder verfeuerten. Natürlich war Vorag sauer darüber ein Späher und Jäger zu werden, aber sein Vater hielt es für sinnvoller, den kleinen Kerl zum Plänkler, Jäger und Plünderer zu machen, denn zu einem Krieger.

Als Anfang des Jahrhunderts, circa 1202 – 1207, die Orks und Goblins weiter südlich vom Klan Morrot aufgrund von verschiedenen Ereignissen, erschöpfte Minen, Umweltkatastrophen sowie verstärkte Drow-Angriffe und außerdem eine Epidemie, langsam auswanderten, sah Häuptling Kreorx Morrot eine Chance und setzte sofort seinen gesamten Klan in Bewegung. Der Tross aus mehreren Hundert Orks, man weiß nicht genau wie viele, wanderte voll bepackt durch die Gebirgspässe in Richtung Süden um kleinere, schlechter ausgerüstete Klans zu überfallen und in klassisch opportunistischer Manier alles mit zu nehmen, was nicht niet und nagelfest ist. Für den jungen Vorag war das seine erste Begegnung mit Tod, Krieg, Kampf und anderen Wesen als Orks. Oftmals diente er als Späher und Scout für Plünder- und Überfalltrupps, zunächst unter Leitung eines Erfahrenen Spähers, später alleine. Die Gebirgspfade waren frei und wie eine offene Einladung, im Süden wurden Gewürzkarawanen überfallen, im Westen kleine Gehöfte und Handelsposten, im Gebirge selber wurde alles geplündert was noch da war. Es war ein Schlaraffenland für die Orks vom Klan Morrot, für jedes einzelne Mitglied.

Im Jahr 1206 war Vorag, von seinen Geschwistern „Wiesel“ genannt, vierzehn Jahre alt und zu dieser Zeit wurde er, auf mehrere Arten, zum Mann. Es war im Herbst und die letzten Karawanen kamen aus der Wüste nach Mundor um ihre Waren zu tauschen, ehe die Stürme die Wege unpassierbar machen würden. Vorag war zu dieser Zeit unterwegs in dieser Region mit zwei weiteren Spähern, einer junge Jägerin sowie einem alten Scout, um die nachfolgende größere Truppe über gute Beute informieren zu können. Kallik, die Jägerin, war vor allem dabei da sie als einzige mit den Kamelen umgehen konnte... oder wie Vorag es ausdrückte: „Diese nach Kacke stinkenden, blähenden Dreckviecher!“ Pferde sowie alle anderen Reittiere gingen in dieser Region zu schnell ein und so waren die dre Späher auf die missmutigen Tiere angewiesen, wollten sie sich sinnvoll bewegen können. Kallik war neunzehn zu diesem Zeitpunkt und eine begabte Waidfrau und alles, was Vorag sich unter einer schönen, attraktiven Frau vorstellen konnte, während der alte Späher, Gargu, ein abgeklärter und erfahrener alter Veteran war und somit ein Lehrmeister für Vorag... vorausgesetzt der missmutige Jugendliche hatte Lust und Zeit zuzuhören und der knurrige alte Ork hatte Lust und Zeit etwas zu erklären.

In dieser Zeit lagerten die drei oftmals alleine in der Wüste, nur selten hatten sie das „Vergnügen“ mit ihren Klan-Geschwistern zusammen in einem etwas größeren Lager zu pennen. Und eines Nachts, nachdem sie einige Wüstenechsen sowie tellergroße Spinnen verspeist hatten, genossen die beiden Jüngeren mit Genehmigung ihres Anführer einen Schlauch Weinbrand. Und ehe sich Vorag versah wurde er von seiner Kameradin am Kragen gepackt, hoch gezogen und bekam folgende Worte ins Gesicht gesagt: „Du. Ich. Ficken. Jetzt!“ Was mehr kann man sich als hormoneller Teenager wünschen, als Das Erste Mal zu erleben mit einer athletischen, vernarbten etwas älteren Frau die auch noch süße Ohren, geile Titten und einen erotischen Geruch hat? Richtig, zwei davon. Aber Vorag hatte definitiv keinen Grund sich zu beschweren.

Am nächsten Tag stellte Kallik sofort fest, dass die Nacht zwar Spaß gemacht hatte und sie das vielleicht auch wiederholen würde, aber es lediglich Spaß war und nicht mehr. Vorag war das nur zu Recht, hatte er doch auch kein Interesse daran von seinem Vater einen Kopf kürzer gemacht zu werden wegen, wie er es ausdrückte, einem „Fick“. Die folgenden Tage waren ruhig und ereignislos, ehe sie die Spur einer großen Karawane fanden und die Verfolgung aufnahmen, schnell fest stellend, dass es sich um eine große Gruppe von Händlern plus Wachen handelte. In der Nacht gaben sie mit einem Signalfeuer ihre Position an den Haupttrupp weiter und zwei Tage später waren fünfundzwanzig Orks in Rüstung und Wüstenkleidung bereit und darauf gefasst einen Überfall auf einen Haufen Menschen durch zu führen, in einem Canyon lauernd. Als die Sonne ihren Zenit passiert hatte kamen die Opfer in Sicht und die Orks waren voller Vorfreude auf das Gemetzel. Dann war es soweit und gerade als einer der Wachen sich den Schweiß von der Stirn wischte und ein anderer kurz innehielt um einen Schluck Wasser zu sich zu nehmen, sprang der Rottenführer aus dem Versteck und gab das Signal.

Vorag selber schleuderte ein, zwei Steine, ehe er von hinten eine Wache erschlug während diese in einen Kampf verwickelt war, als ihm auch schon die Waffe aus der Hand geschlagen wurde und er sich mit einem mal auf seinem Hintern wieder fand, eine lange Wunde im Arm und blutend wie ein Schwein. Unbemerkt von den Orks war ein einzelner elfischer Klingensänger mit den Menschen zusammen gereist und seine elfische Kriegslanze, zuvor versteckt auf einem Wagen, richtete nun ein Massaker unter den Orks an. Hilflos und absolut fassungslos sah Vorag zu, wie die schlanke Gestalt in den weiten Gewändern durch die Reihen der Orks wirbelte, seine leicht gebogene, unmöglich dünn scheinende Klinge durch Rüstung, Kleidung und Fleisch schnitt wie ein Messer es mit warmem Schweinefett machen würde. Er war absolut gebannt von diesem Anblick, vielleicht auch noch durch den Schock und den steigenden Blutverlust, als Gargu ihn packte und wegzerrte, ihm somit das Leben rettend. Die beiden sowie eine Hand voll weiterer Überlebender, unter andem auch Kallik, schlugen sich zurück durch ins eigene Gebiet, das heißt sie flohen zu Fuß durch die Wüste und unwegsames Gelände, ehe sie von leichter Kavallerie durch die Wälder gehetzt wurden. Vorag selber erlebte all dies mehr im Dellirium und im Rausch, denn wirklich bewusst, aber irgendwie überlebte er es, vielleicht hatte er einfach mehr Glück als Verstand. Nicht zuletzt weil all diese Orks nicht einfach nur Kameraden waren sondern auch Familie, ließen sie ihn nicht einfach zum sterben zurück.

Als während des einbrechenden Winters die Überlebenden endlich zum Winterlager zurück kehrten, hatte Vorag sich einen neuen Namen verdient. Er war kein Kind mehr. Er hatte gevögelt, er hatte getötet, er hatte eine schwere Wunde überlebt, er war in den Augen seiner Geschwister erwachsen geworden. Aus „Wiesel“ wurde „Marder“ und er wurde mit einem Kettenhemd belohnt sowie der Erlaubnis, zwar keine Gefährtinnen zu haben, aber mit willigen Weibchen, und Zustimmung des jeweiligen Männchens dem sie eigentlich "gehören", das Lager zu teilen. Oder in den Worten von Gargu: "Ficken, saufen, prügeln. Bist jetzt ein Mann."

Das war bevor der Schnee im Jahr 1207 schmolz und der Hammer Mundors den Klan Morrok mit voller Wucht traf.

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Soweit der erste Teil, es wird noch wesentlich mehr.
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Re: Vorag "Gierling"

Beitragvon Stef » Mo Apr 09, 2012 11:20 pm

So, und etwas mehr, diesmal anschaulicher und blutiger.

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Durch die Plünderzüge und Raubereien in den umliegenden Gebieten, hatten der Klan Morrot großen Reichtum angehäuft und lebte im Wohlstand. Ihre Höhlen und Zelte waren ausgestattet mit Wolllagern und Fellen, ihre Waffen und Rüstungen waren aus Eisen und Stahl, ihre Beutel und Truhen gefüllt mit exotischen Gewürzen und Gold. Kreorx, der Häutpling, kleidete sich sogar in Samt und besaß einen Gürtel gefertigt aus Seide, getragen über seiner teuren Rüstung, alleine um seinen Reichtum und seinen Erfolg an zu zeigen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten Klans, den vorherigen Bewohnern dieser Region, hatten die Orks von Klan Morrot sich nicht gerade in Zurückhaltung geübt und auch niemals Anstrengungen unternommen sich mit ihren Nachbarn gut zu verstehen oder in das Land Mundor zu integrieren. Im Grunde genommen waren sie nichts anderes als eine Bande von Räubern und Banditen. Sehr erfolgreiche Räuber und Banditen, aber dennoch Gesindel und Kriminelle.

Der Winter des Jahres 1206 war mild und unter der Pflege der Heiler ging die Genesung von Vorag, nach Wochen der Entbehrungen und einiger entzündeter Wunden, schnell und gut voran. Er hatte sich ein Kettenhemd verdient, in seinen Augen ein persönlicher Schatz, und war in den Augen seiner Geschwister erwachsen geworden, was natürlich nicht heißt, dass sie ihn weniger grob behandelt hätten. Im Gegenteil, er bekam nun wesentlich mehr Schläge ab als vorher, wenn die Heiler nicht hinsahen, und wurde gemeiner herum geschubst als zuvor, aber es war eine andere Art der Grobheit, eine brüderliche Art und Weise. Nachdem Vorag es endlich aus der Höhle der Heiler heraus geschafft hatte und sein eigenes Zelt bezog, kaum mehr als ein kleiner Verschlag mit groben Fellen aber es war sein eigen, wurde er sofort von seinem großen Bruder, der eigentlich ein Jahr jünger aber dafür einen Kopf größer war, im Umgang mit dem Schwert unterrichtet. Zumindest so gut er das selber konnte, was nicht besonders gut war. Natürlich konnte er seine Gegner töten, hatte er auch zuvor schon getan, aber das mehr durch rohe Gewalt, denn durch Können. Rohe Gewalt, welche Vorag einfach nicht in diesem Ausmaß besaß, auch wenn er selber immer wieder irgend welchen Stammesmitgliedern, halb im Scherz und halb im Stunk suchen, androhte ihnen die Schädel ab zu reißen und dann mit besagtem Körperteil Ball zu spielen.

Es war eine Nacht im Frühling 1207, kalt und unfreundlich und vor allem düster. Durch faserigen Nebel bewegten sich unbemerkt Gestalten und näherten sich dem Orklager von Klan Morrot, bereit zuzuschlagen sobald das Signal kam. Vorag hatte den Tag über hauptsächlich gefaulenzt und einen Schlauch eines exotischen, stark alkoholischen Getränks zusammen mit einigen anderen Stammesmitgliedern geteilt, so dass er abends früh auf sein Lager fiel und laut schnarchend einschlief. Ungesehen von wachenden Augen schlichen sich leicht gerüstete Soldaten verschiedener Völker immer näher an die Unterkünfte der Orks heran und einer Wache nach der anderen wurde hinterrücks die Kehle durchgeschnitten oder die Luft abgeschnürt, so dass niemand von den Bewohnern ahnte was über sie herein brechen sollte. Arrogant und fett geworden durch leichte Erfolge, hatte Häuptling Kreorx sich sicher geglaubt, versteckt hinter windigen Pässen und tückischen Pfaden, verborgen vor den Augen seiner Feinde und Neider. Er hatte nicht mit dem Zorn der Orks und Goblin gerechnet, welche zuvor diese Region bewohnt hatten und die Pfade besser kannten, als die neuen Besitzer es taten.

Geführt von ortskundigen Führern, gut bezahlt natürlich, hatte die Streitmacht von Mundor das Lager umzingelt und war bereit für den Angriff. Der Tribun hatte die Schnauze voll von den Störenfrieden, welche die Handelsrouten plagten und die Leute in Angst und Schrecken versetzten und, das war am schlimmsten, ihn lächerlich machten. Eine Bande von Räubern kann nur solange erfolgreich sein, wie sie den Zorn mächtiger Individuen vermeiden können. Und in diesem Belang hat Klan Morrot versagt gehabt.

Vorag, selig vor sich hin schnarchend, lag in seinem Zelt neben der glühenden Kohle des verlöschenden Feuers, träumte von sprechenden Fröschen und Bananen (fragt nicht), als das Signal gegeben wurde. Mit einem mal ging ein Hagel aus Brandpfeilen auf das Lager nieder, Brandsätze flogen, Chaos brach aus. Es dauerte mehrere Momente ehe überhaupt jemand wusste was geschah, da war es bereits zu spät. Der Zorn Mundors brach über den Orks herein, in Form von Feuer und Stahl. Die Krieger wurden aus ihren Träumen gerissen und griffen nach ihren Waffen, wenn sie Glück hatten, andere starben im Schlaf durch Pfeil, Feuer oder Klinge. Eine Gruppe von Kriegern stürmte aus der Häuptlingshöhle und stürzte sich vor Wut schnaubend auf die Angreifer, einige von ihnen wurden von Bolzen nieder gestreckt doch der Großteil krachte in die Reihen der Soldaten und es kam zum blutigen Handgemenge. Der Geruch von Blut, Rauch und Tod lag in der Luft, die Schreie der Sterbenden und Verzweifelten hallten von den Felswänden wieder und die Leichen der Orks, in verschiedenen Stadien des Bekleidungsgrades, lagen umher, als Vorag aus seinem Zelt stolperte, ehe es brennend über ihm zusammen brach. Er war ein sehr fester Schläfer.

Ehe er wusste wie ihm geschah, befand er sich bereits im direkten Nahkampf, als ein menschlicher Krieger mit erhobenem Schwert auf ihn zustürzte, Mordlust in den Augen, der Wappenrock mit Blut befleckt und die Klinge tödlich. Vorag schaffte es gerade so noch zur Seite zu springen um dem Stahl aus zu weichen und stolperte rückwärts über einen Haufen Brennholz. Im nächsten Moment stand der Mensch über ihm und wollte ihn erstechen, gerade noch rechtzeitig rollte der junge Ork sich beiseite, griff sich geistesgegenwärtig einen Holzscheit und schmetterte ihn mit aller Wucht gegen die Kniescheibe seines Gegners. Einen lauten Schrei später ging der Mensch in die Knie und das nutzte der Ork aus, indem er seinen Holzscheit erneut als Keule verwendete, diesmal jedoch gegen die Schläfe seines Angreifers. Blut spritzte, Knochen knackten und nach einigen weiteren Schlägen war der Mensch tot. Sofort kämpfte Vorag sich auf die Beine, griff sich das Schwert und trat auch schon seinem nächsten Gegner gegenüber. Zugegeben, am liebsten wäre er einfach gerannt, aber wohin denn? Überall, wo er hinsah, sah er nur Feuer, feindlichen Soldaten und seine eigenen Leute sterben. Mit dem Mut der Verzweiflung schwang er seine neu erbeutete Klinge und sprang auf seinen Kontrahenten zu.

Am Ende der Nacht saß er erschöpft, blutig und mit kleinen Kratzern und Prellungen übersät, auf dem Boden vor dem, was wenige Stunden zuvor noch sein zu Hause gewesen war, oder zumindest das Winterlager. Seine Handgelenke in Handschellen, sein linkes Auge zugeschwollen, seine überlebenden Verwandten neben ihm angekettet oder auf der Flucht. Von ehemals mehreren hundert Ork Kriegern und Kriegerinnen, war kaum mehr als eine Handvoll gefangener übrig geblieben, sowie einige Flüchtige und eine Schar von Kindern, welche in einen Wagen verladen und abtransportiert wurden. Fluchend, brüllend und um sich tretend wurde Vorag auf die Beine gezogen und weg gezerrt, die kalte Morgenluft in seinen Wunden beißend und sein Atem vor ihm kristallisierend. Sein Hals war rau und trocken vor lauter Schreien, als er einen brutalen Hieb gegen die Schläfe bekam und mehr schlecht als recht vor jemandem auf die Knie bugsiert wurde. Als seine Sicht sich wieder etwas aufklarte erkannte er, dass er sich etwas oberhalb des nieder gebrannten Lagers befand, vor ihm ein alternder Mensch in der Uniform eines Offiziers, neben ihm ein ihm unbekannter Ork.

„Bekennst du dich der dir vorgeworfenen Verbrechen schuldig?“, bellte der Mensch geradezu, seine Stimme Autorität und Befehlsgewohntheit ausstrahlend. Nicht, dass Vorag richtig verstand, was dieser Kerl von ihm wollte, aber er tat das, was er gewohnt war in einer solchen Situation: Er fing an zu fluchen. Einen Hieb später verging ihm das wieder.

„Ich frage dich erneut: Bekennst du dich schuldig?“

„FICK DICH, AUSWURF EINER SCHLEIMVERKRUSTETEN FOTZE!!!“

Sie es aufgrund von seiner Lautstärke gewesen, oder seiner Redegenwandheit, für diese Verhältnisse zumindest, auf jeden Fall wurde Vorag nicht sofort getötet, sondern lediglich nieder geschlagen und in einen Gefangenenwagen verfrachtet, wo er mehrere Stunden später wieder aufwachte. Er wusste es nicht, aber er befand sich auf dem Weg in den Steinbruch, in welchem er die nächsten Jahre seines Lebens verbringen würde.
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Re: Vorag "Gierling"

Beitragvon Stef » Do Apr 12, 2012 11:04 pm

Sören hat mir vorhin gesagt, dass einer seiner Charaktere auch Worag heißt, zwar mit W und nicht mit V, aber wird genauso ausgesprochen. Ich seh es kommen, das wird witzig :D

Wie auch immer, hier die fortgesetzte Hintergrundstory von Vorag, meinem Ork. Wie auch zuvor, ich hoffe das geht alles so, ansonsten kann ich es noch problemlos anpassen.


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Nachdem der „letzten großen Fînkrieg“ im Jahr 1206 mit der Niederlage Mundors geendet hatte, war der Staat im Wiederaufbau begriffen und folgende Dinge waren in großer Nachfrage: Baumaterial, Arbeitskräfte und Nahrung. Für die ersten beiden Probleme hatte die Regierung unter dem neu eingesetzten Tribun eine simple, günstige Lösung gefunden, nämlich Gefangene. Eingesetzt in Sägemühlen, Steinbrüchen, Ziegeleien, Minen und anderen, ähnlichen Orten, leisteten sie einen wichtigen Anteil am Wiederaufbau des Landes. Der Umstand, dass sie billig waren und direkt noch das Problem mit den Gefängnissen somit aus der Welt schafften, versüßte diesen Umstand nur noch mehr für die neuen Machthaber.

All das war Vorag jedoch völlig unbekannt, alles was er wusste war, dass seine Arme schmerzten aufgrund der Handschellen, seine Kehle ausgetrocknet war, sein Gesicht taub vor Frost war und sich vor ihm etwas ausbreitete, was am ehesten seiner Vorstellung der Unterwelt gleich kam. Hunderte von Männern verschiedener Rassen, gekleidet in Lumpen, aneinander gekettet, Spitzhacken und Hämmer in den Händen und große Steinbrocken aus der Gebirgsflanke heraus schlagend, Frauen zwischen ihnen welche mit Wassereimern herum gingen und sie tränkten wie man es mit Vieh machen würde. Obwohl er sicherlich nicht der klügste aller Orks war, das war soweit er wusste irgend ein lange toter König, so war er doch auch nicht dumm und er erkannte einen Steinbruch wenn er einen sah, vor allem einen solchen, der von schwer bewaffneten Männern bewacht wurde. Und obwohl er sicherlich kurz vor dem Zusammenbruch stand, am Ende seiner Kräfte war und praktisch eine wandelnde Leiche war, so gab er dennoch nicht ohne einen Kampf auf. Als die Männer der Armee ihn aus dem Gefangenentransport zogen trat er um sich, er biss, er schrie, er fluchte und versuchte irgendwie dagegen an zu kämpfen. Doch egal wie sehr er sich wehrte, so sehr er auch gegen sein Schicksal ankämpfte, am Ende wurde er über den halb gefrorenen Boden geschleift und in eine Baracke geworfen.

Dieser Ort war vielleicht nicht die Hölle... aber das nächst beste auf Erden.

Zwei Jahre verbrachte Vorag vom Klan Morrot in dem Steinbruch. Er war ein junger Ork gewesen, als er herein kam, aber weder wuchs er in dieser Zeit noch alterte er normal, dafür war die Arbeit zu hart, die Kost zu dünn und, wie er selber später sagen würde, die Weiber zu hässlich. Zugegeben, im Vergleich zu den meisten anderen solcher Einrichtungen, wie sie offiziell bezeichnet wurden, war der Steinbruch in welchem er schuftete geradezu human. Die Wachen waren größtenteils zumindest nicht grausam oder brutal, kein Gefangener musste verhungern und Strafen waren selten schlimmer als Auspeitschen. So sehr es Vorag auch widerstrebte klein bei zu geben, er wusste, dass wenn er sich dumm anstellen würde oder Ärger machen würde, nicht nur er leiden müsste, sondern alle anderen, die in seiner Baracke schliefen. Und so stur und wütend er auch war, er war immer noch ein Ork vom Klan Morrot. Und nichts war ihm so sehr in seine Seele gebrannt worden wie Loyalität, egal ob nun zu seiner Familie, seinem Anführer oder eben den armen Schweinen, mit denen er sich das Dach über dem Kopf teilte.

Mit einigen dieser Leute verstand er sich sogar ganz gut, zumindest für seine Verhältnisse, während er andere lediglich tolerierte. Er war nicht einmal der stärkste in dem Haufen, das war nämlich ein mächtig gebauter Troll namens Hork und direkt am ersten Tag nachdem Vorag eingetroffen war gerieten die beiden aneinander, der wilde sture Ork zu uneinsichtig für irgend etwas und der verbitterte Troll einfach nur froh jemanden verdreschen zu können. Durch Vorags Verletzungen, und natürlich seine sowieso unterlegene Statur, war das eine sehr einseitige Sache gewesen, aber er hielt solange durch, dass die meisten anderen Gefangenen von diesem Tag an einen gewissen Bogen um ihn machten. Zugegeben, die beiden „harten Jungs“ hatten danach Respekt voreinander und waren sogar fast so etwas wie Freunde, aber eben nur fast.

Natürlich entging das weder seinen Mitgefangenen, noch seinen Wächtern. Einige dieser Wachen waren eben doch etwas grausamer und sadistischer, als es dem Verwalter lieb war, aber es gab nur wenige andere, welche solch einen Beruf freiwillig ausüben würden, und so wurde weg gesehen. Weg gesehen, wenn eine der weiblichen Gefangenen für ein wenig „Spaß“ aus ihrem Bett gezerrt wurde. Weg gesehen, wenn einer der Wachen aus versehen einmal der Knüppel ein paar mal zu oft ausrutscht. Und auch weg gesehen, wenn zwei Gefangene gezwungen werden um ihr Leben gegeneinander zu kämpfen.

Es war eine Nacht im Sommer 1208 und ausnahmsweise einmal konnte Vorag sogar schlafen. Arbeit half ihm natürlich dabei, je mehr er sich abschuftete, desto fertiger war er am Abend und desto besser konnte er schlafen, manchmal sogar ohne Alpträume. Er wurde rüde geweckt, genauer gesagt mit einem Sack über den Kopf und mehreren kräftigen Männern die ihn packten und aus der Baracke zerrten. Als ihm der Sack abgezogen wurde sah er sich direkt einem bellenden, geifernden Hund entgegen, welcher scheinbar mehr Wolf als Hund war und wäre er nicht angeleint gewesen, so hätte er dem Ork sicherlich das Gesicht zerfetzt. Vorag redete niemals darüber was in dieser Nacht geschah und alles was seine Mitgefangenen wusste war, dass er am nächsten Tag mit blutigen Händen und Bisswunden am Körper zurück kam und ein anderer Gefangener spurlos verschwunden war. Und, dass er seit diesem Tag eine schon panische Angst vor Hunden entwickelt hat. Zwar versucht er das zu verbergen, aber dennoch, ist irgendwo ein Hund zu sehen, ist er sehr schnell woanders.

Als das Jahr 1209 anbrach und die Häfen von Mundor wieder aufgebaut waren, oder eher ausgebaut, ebbte die Nachfrage von Baumaterial ab. Viele Häuser standen wieder und die Leute des Landes wollten nichts lieber, als einfach vergessen was im Krieg geschehen war. Natürlich lag nichts ferner, als die Minen auf zu lösen, hatten sie sich doch als sehr gute Geldquelle und Gefängnisse erwiesen, aber sie waren nun nicht mehr so sehr benötigt wie zuvor. Also ersann der Tribun erneut eine einfache, aber sehr effektive Methode, um noch etwas mehr Geld heraus zu holen. Und erneut fand sich Vorag in den Mühlen der Ereignisse und Entwicklungen wieder, ohne überhaupt zu ahnen, wie ihm geschah.

Im späten Frühling 1209 ließ der Verwalter des Steinbruchs alle Gefangenen zusammen treiben, so dass sie sich auf der Wiese direkt außerhalb ihres Gefängnisses befanden, umgeben von schwer bewaffneten Männern in Uniformen, bereit sie zu töten sollten sie etwas dummes tun. Was folgte erinnerte mehr an einen Viehmarkt, denn an eine Umlagerung. Söldnertrupps, Besitzer von Hurenhäusern, Sklavenhändler, all diese Leute sahen sich die vor ihnen ausgebreitete Ware an. Offiziell war Sklaverei natürlich verboten, aber irgendwo mussten die ganzen Gefangenen ja hin und außerdem wurde so noch ein bisschen nebenbei verdient.

Mit grimmiger Miene beobachtete Vorag wie mehrere seiner Mitgefangenen, einige von ihnen kannte er beinahe zwei Jahre, abgeführt wurden und an diese oder jene Gruppe von Käufern übergeben wurden. Er hatte nichts gegen diese Praxis, er sah ein, dass sie effektiv und ertragreich war, konnte er doch beobachten, wie große Mengen an Geld den Besitzer wechselten. Er war nicht glücklich darüber selber eine Ware zu sein, absolut nicht, aber ihm fiel kein Grund ein, gegen den Handel selber zu sein. Seine Augen verfolgten gerade, wie eine halbwegs ansehliche junge Frau schreiend weg gezerrt wurde, als jemand vor ihn trat und ihn genau beäugte. Stur, und stolz, wie er war, erwiderte er sofort den Blick mit Feuer und Trotz in den Augen, trotz des Wissens, dass das nicht unbedingt das klügste war, was er tun konnte.

Vor ihm stand ein kriegsvernarbter, bärbeissiger Mann in sauberer aber sichtlich benutzter Kleidung. Ein Wams, eine Pluderhose, feste Stiefel, ein Leinenhemd und auf dem Kopf einen breitkrempigen Hut, alles in allem gute, feste Kleidung für verschiedenes Wetter, das ganze abgerundet von einem Mantel und einem Siegel um den Hals. „Hast du schon einmal getötet, Ork?“, fragte der großgewachsene Mann, sein Mund beim sprechen nicht sichtbar aufgrund des wilden, ungezähmten Bartes.

„Ja“, knurrte Vorag zurück, sich dabei leicht nach vorne beugend als würde er ihn heraus fordern wollen. Wollte er vielleicht auch, er wusste es selber nicht genau. Und wenn er ehrlich war, er dachte auch nicht drüber nach, er machte einfach.

„Im Kampf oder mit einer abgebrochenen Flasche?“

„Mit meinem Schwanz!!“

Für mehrere Sekunden starrte der großgewachsene, buschigbärtige Mann ihm in die Augen, dann grinste er wild. „Ich will den hier“, brummte er laut in einer Stimme die klar machte, dass er keinerlei Widerspruch erwartete, noch zulassen würde.

Vorag knurrte aggressiv und bellte nahezu, als seine Ketten gelöst wurden und er aus der Reihe gezogen wurde, das hinter sich lassend, was für mehr als zwei Jahre sein zu Hause, sein Leben und seine Existenz gewesen war. Er grinste wild als er an seinen nun ehemaligen Mitgefangenen vorbei ging, nickte noch einmal Hork, dem Troll, zu und schaute dann niemals zurück. Ein paar Lappen als Fußbekleidung, einen großen Wollüberwurf als Mantel und ein Seil als Gürtel erhaltend, machte er sich auf seinem neuen Leben entgegen zu treten. Natürlich sah er das längst nicht so dramatisch oder romantisch, er war einfach nur froh diese verschissenen Ketten, seine Worte, los zu sein.

Eine Gruppe von Söldnern in dunkler, dreckiger Kleidung betrachteten ihn und die anderen drei Gefangenen welche sie gekauft hatten, über ihren Köpfen ein halb zerfetztes Banner in gelb mit einem stilisierten, schwarzen Hundekopf und einer Axt. Einer von ihnen warf Vorag einen Schlauch Branntwein zu, während der Anführer sprach: „Ihr gehört jetzt uns. Solange ihr nicht den ersten Kampf überstanden habt, seid ihr nicht mehr als dreckiger Abschaum! Willkommen bei den Schwarzen Hunden.“

Vorag begann zu husten. Oh, wie sehr er Hunde doch hasste.
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Re: Vorag "Gierling"

Beitragvon Stef » Di Mai 01, 2012 5:41 pm

So, Geschichte zu Ende. Ja, es ist ein Sprung drin und es fehlt die Erklärung woher der Spitzname Gierling kommt, aber das ist Absicht.

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„Ich weiß nicht ob ich es schon einmal erwähnt habe, aber ich hasse Orks“, knurrte der breitschultrige Krieger während er mit aller Kraft an seinem Schwert zog, welches immer noch in den Eingeweiden eines Orkkriegers steckte. Er zog, zerrte und stemmte sich mit aller Macht dagegen, aber nur quälend langsam kam die Klinge frei. Einer der Gefährten des Mannes funkelte ihn wütend aus gelben Augen an.

„Halts Maul, Hundeficker!“, bellte die etwas kürzere Gestalt und fletschte die Zähne. Wie zu erwarten handelte es sich bei diesem Krieger um einen Ork, doch nicht wie die Toten um sie herum in klassische Lumpen und zusammen gestückelte Rüstung gehüllt, sondern zumindest ein wenig sauberer.

Wenn der gewaltige Mann, der nun endlich sein Schwert frei bekam, sich von dieser Beleidigung ernsthaft betroffen fühlte, so zeigte er es nicht. Er zuckte bloß mit den Schultern und wischte seine Waffe ab, steckte sie weg und begann damit die Toten zu durchsuchen. „Vorag, mach dich einmal in deinem Leben nützlich und fang an die Leichen zu plündern.“

„Pha, dafür bin ich gut genug? Scheisssack.“ Und trotz dieser Aussage begann der Ork sofort wieder damit fort zu fahren was er vorher schon getan hatte, er durchsuchte die Leichen und nahm alles mit was ihm wichtig und wertvoll erschien. Hier ein guter Dolch, dort ein Geldbeutel.

Es war eine ekelerregende Arbeit, einige der vermeintlich Toten wimmerten noch und flehten um ihr Leben, andere waren auf brutale Art und Weise zerstückelt oder entstellt. Mehrere große Hunde labten sich am Körper eines toten Kindes, welches irgendwie in die Kampfzone geraten war, und ließen sich auch nicht von den beiden Plünderern verscheuchen. Überall lagen Leichen, Orks, Goblins und Menschen, hier und dort etwas exotisches wie zum Beispiel der Elf an welchem sich die Raben bereits gütlich taten. Raben lieben Elfenfleisch, niemand weiß wieso.

Der Ork namens Vorag und sein Kamerad, ein Nordmann welcher auf den Namen Erik hörte, waren nicht die einzigen Söldner welche über das Schlachtfeld streiften. Ein Schlachtfeld übrigens, welches am Morgen des Tages noch ein Dorf gewesen war. Die Dorfbewohner hatten keine Chance gehabt, im Morgengrauen waren die Orks und Goblins über sie her gefallen, die Söldner ihnen hart auf den Fersen. Der Anführer der Grünhäute hatte einen erstaunlich klaren Kopf bewiesen und die bemitleidenswerte Ansammlung von Hütten und Verschlägen verwendet, um seine Verteidigung zu verbessern und sich ein zu graben. Nicht dass es ihnen viel gebracht hätte, tot waren sie nun doch so gut wie alle, aber zumindest hatten sie noch einen ordentlichen Kampf geliefert.

Erik sah in einiger Entfernung, außerhalb des Dorfes an einer scheinbar heiligen Eiche, wie mehrere Gefangene mit dem Anführer ihrer Söldnereinheit sprachen, scheinbar wollten sie überlaufen. Das war nicht ungewöhnlich für sie, tatsächlich hat sogar Erik selbst auf diese Weise seinen Weg zu den schwarzen Hunden gefunden. Kriegsgefangene, freigekaufte Krieger aus Gefängnissen, Sklaven, Flüchtlinge, ehemalige Räuber und Briganten, das alles waren übliche Herkünfte für die Mitglieder dieser Söldnertruppe. Oftmals hatten sie zuvor noch gegeneinander gekämpft und am Abend trugen sie urplötzlich die gleichen Wappenröcke und dienten unter dem selben Banner.

Nicht, dass das reibungslos verlief, nicht selten dauerte es lediglich einige Tage ehe es zu einem Streit kam und irgend jemand auf dem Tisch des Heilers landet. Die meisten störte das nicht wohlgemerkt, da zwei der sieben Heiler ausgesprochen schöne Frauen waren, aber das ist ein anderes Thema welches an anderer Stelle besprochen werden sollte. Oder auch einfach gar nicht, schweigen wir das einfach tot, ja? Gut.

„Hey ihr Tagediebe, helft uns mal!!“, rief jemand von einem Hauseingang und die beiden Söldner, der Ork und der Mensch, ließen von der Leiche ab welche sie gerade durchsuchten, einen in bunte Fetzen gehüllter Goblin, und begaben sich zu der noch relativ intakten Hütte. Im Inneren lag eine abgeschlachtete Familie, doch niemand kümmerte sich um sie da sie nichts wertvolles dabei hatten, und zwei weitere Söldner, beides Menschen, standen vor einer Falltür. Warum sie um Hilfe gefragt hatten war einfach, denn die Falltür lag halb unter einem Stück zusammen gebrochener Mauer begraben, so dass es mehr als nur ein wenig schwer war sie zu öffnen.

Mit vereinten Kräften wuchteten die vier die Trümmer beiseite und rissen dann die klemmende Falltür auf... und wurden sofort angesprungen. Etwas dunkles, dreckiges und mit zwei Dolchen bewaffnetes Etwas sprang heraus und wild schreiend stach es auf die vier Söldner ein. Völlig überrumpelt ging Erik zu Boden, Blut aus seinem nun offenen Hals heraus spritzend. Das Etwas stellte sich als drahtig gebaute Orkfrau heraus, ihr Gesicht mit einer langen, frischen Schramme versehen und Wahnsinn und Blutdurst in ihren Augen. Mit wilden Geschrei und Gefauche stach sie um sich, überhaupt nicht darauf achtend was sie traf solange sie irgend etwas traf, vorzugsweise lebend.

Ihr Blutrausch wurde von einem hastig gezogenen Kurzschwert beendet, welches seinen Weg in ihren Bauch fand und sie zurück taumeln ließ. Ein heftiger Hieb von Vorag gegen ihren Schädel ließ sie zu Boden gehen und im nächsten Moment wurde ein Langmesser in ihren vor Schreck und Schmerz geöffneten Mund gerammt. Der Geruch von frischem Blut mischte sich nun noch zu dem Gestank von Rauch und Feuer.

Schwer atmend stand der männliche Ork über seiner weiblichen Rassengenossin und starrte sie mit wütenden Augen an. Er empfand absolut nichts außer Hass für diese, seine Worte, Miststück, weswegen er ihrem sterbenden Körper noch einen Tritt verpasste, ehe er sich zu Erik herum drehte und neben ihm nieder kniete.

Der Gesichtsausdruck des anderen dort knienden Söldners sagte ihm alles.

„Kacke! HEILER!! Holt einen Heiler!!“



Es war im Jahre des Herrn 1492... Oh, tschuldigung, falsche Geschichte. So, nochmal...

Es war im Herbst des Jahres 1211, das Jahr welches sie in Vandol bereits „Das Jahr in welchem die Schwarze Burg fiel“ nannten. Die Söldner von der mundorischen Einheit der schwarzen Hunde hatten den Sommerfeldzug in Vandol mehr oder weniger heil überstanden. Damit beauftragt das in sich zusammenbrechende Reich vor plündernden Banden aus den westlich gelegenen Hügeln zu schützen, haben sie sich einen Namen in dem Land gemacht. Sie waren natürlich nicht so berühmt wie die Dämonen Garde, nur ein Name, des nun toten Lords oder die Gefolgschaft von Sir Reginald, welcher wie wir ja alle wissen besagten Lord erschlagen hat, aber immerhin wussten einige Kommandanten nun von ihnen.

Außerhalb der großen Karawanzerrei, welche sie zu ihrem Hauptquartier erkoren hatten, tobte bereits einer der ersten Herbststürme und es war alles in allem ein sehr ungemütliches Wetter. Natürlich hatten die Hunde dies als Herausforderung verstanden um innerhalb des großen Schankraumes nur umso heiterere Stimmung zu machen, weswegen sie dem heulenden Sturm gegrölte Trinklieder entgegen setzten und dem prasselnden Regen lautes Gelächter. An irgend einem der alten, abgenutzten Tische saß Vorag und zog an seiner Pfeife, das Rauchwerkzeug welches einigen Tagen zuvor noch seinem Kameraden Erik gehört hatte. Jener Erik, dessen Asche bereits wieder kalt war.

Zugegeben, Vorag hatte schon vorher eine eigene Pfeife besessen, aber das war seine Art einem gefallenen Feund die letzte Ehre zu erweisen: Ausplündern und die Sachen verkaufen oder weiter verwenden. Denn neben seinen sehr hedonistischen und übel gelaunten Zügen, hatte der etwas zu kurz geratene Ork auch eine ausgeprägte pragmatische Ader. Tote rauchen kein Kraut mehr, ganz einfach.

Also entspannte er sich mit einem breiten Grinsen auf den wilden Zügen, hatte die Füße auf dem Tisch und schmökte sein Kraut, lauschte den Trinkliedern und sang ein wenig mit und ließ sich natürlich voll laufen. Branntwein, Met und Bier verschwanden gleichermaßen in seinem Schlund, ebenso wie ein großes Stück Ochsenbraten und herzhaftes Brot. Erneut war dies Beute, denn auch tote Bauern brauchen keinen Ochsen. Sie waren schon tot gewesen als die Hunde ankamen, aber das ist kein Grund ein gutes Mahl einfach zu ignorieren. Er war gerade dabei sein Brot in einen Krug mit Wein zu tunken und die ausladenden Brüste einer Schankmaid zu begutäugen, als laut ein kleiner Hammer gegen einen Gong geschlagen wurde.

„Ruhe im Puff, kein Schwanz bewegt sich!!“, brüllte Feldwebel Mark, ein angeblich ehemaliger Adeliger der sich nun mit einem Haufen dreckiger Söldner herum treibt, und sorgte so für einige Lacher. Dennoch, es wurde ruhig, als der Hauptmann sich auf eine Truhe stellte um so seine Leute besser ansprechen zu können.

„Hört mal alle zu!!“ Seine Stimme donnerte und sein längst ergrauter Backenbart bebte gewaltig auf. Eigentlich hätte er sich nicht einmal auf die Truhe stellen brauchen, seine Gestalt erlaubte es ihm relativ problemlos über seine Leute hinweg zu schauen. Nicht nur seine Größe verrieten ihn, auch seine gräuliche Haut und seine drahtigen Haare, aber vor allem seine Hauer und seine kleinen Hörner waren ein deutliches Anzeichen für seine Herkunft. Ob aber nun sein Vater ein Troll war oder seine Mutter, darüber sprach er nicht. Nie.

„Wir haben gute Arbeit geleistet hier!!“

Mehre Krüge wurden gehoben und Krieger schrien laute Zustimmungsrufe.

„Und nun, nachdem wir einen Sommer lang dieses verregnete Land beschützt haben und unser Blut vergossen haben, bekam ich eine Nachricht vom Sekratär unseres Auftraggebers, Minister Gaius Bogart.“

„Auf den Minister!!“

„AUF DEN MINISTER!!!“

Der Gesichtsausdruck des Hauptmannes wurde etwas gequält als er diesen Ausruf der Begeisterung hörte, aber er wartete bis alle getrunken hatte. Und dann sagte er mit finsterer Mine: „Der Monarch ist gefallen. Der Lord ist tot, seine Minister auch... Die Schatzkasse ist weg.“ Er machte eine bedeutungsschwangere Pause. „Wir werden nicht bezahlt. Wir werden aufgefordert das Land umgehend zu verlassen, ansonsten werden wir als Gesetzlose betrachtet und nieder gemacht.“

„WAS??!!“

Und dann brach Pandemonium aus.



Ende des Jahres kehrten die Schwarzen Hunde nach Finaka zurück, nach Osdfin um genau zu sein, wo sie bald darauf dem Aufruf folgten gegen die artemischen Armeen zu kämpfen. Im Frühling des Jahres 1212 waren sie auf dem Weg zu dem Dorf „Kuhdorf“ um dort gemeinsam mit anderen Verbänden und Helden gegen die grünweißen Trottel, wie die artemischen Soldaten von den Söldnern liebevoll getauft worden waren, doch wurden sie auf dem Weg von einer Kavallerieeinheit entdeckt und nieder gemacht.

Vorag überlebte nur mit viel Glück das Gemetzel und zusammen mit einigen anderen Überlebenden schlugen sie sich bis nach Lokenbrück durch, wo er die folgende Schlacht nur im Lazaret erlebte. Als die Truppen sich zurück zogen und Kuhdorf immer noch stand, ein Wunder in seinen Augen, schnappte er sich seine Habe, noch ein wenig mehr, und machte sich auf einen neuen Söldnertrupp zu suchen. Er kannte nur ein Leben als Räuber, eines als Gefangener und eines als Söldner. Das letzte war davon das sicherste.

Und Vorag hängt an seinem Leben.
Morgens, Halb Zehn in Finnaka: "Die Artemier haben mein Knoppers geklaut. Sie müssen sterben!"

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