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Während des Krieges, den man später den Fînkrieg nannte, schloss ich mich den Söldnern an. Die „Roten Drachen“ waren damals eine starke Truppe.

Das war im Jahre 1206. Zu Hause war für mich kein Platz mehr. Die Ernte war schlecht dieses Jahr, noch schlechter als die Jahre davor. Ich glaube ja, dass es am Boden liegt, in den Nachbardörfern war die Ernte besser, und das war jedes Jahr so. Aber meine Eltern nahmen es als Zeichen drohenden Unheils, von den Göttern gesendet, an die ich nicht mehr glauben kann.
So ging ich also von zu Hause fort und schloss mich den „Roten Drachen“ an. Mir gefiel der Gedanke, kämpfen zu lernen und meine Heimat verteidigen zu können. Nicht so sehr gefiel mir der Gedanke, möglicherweise in einer Schlacht verletzt oder gar getötet zu werden. Aber wenn ich zu Hause verhungerte, war ich schließlich auch tot und so konnte ich mich wenigstens noch wehren.
Wir waren nicht nur Menschen in der Truppe, auch Orks kämpften bei uns. Das war für mich anfangs gewöhnungsbedürftig, vor allem deren Essgewohnheiten, aber man gewöhnt sich an alles, wenn man überleben will. Und manchmal ist ein wilder Ork in der Schachtreihe auch genau das, was man gerade braucht.

Der Fînkrieg war lange und hart, aber ich habe ihn überlebt, und der größte Teil unserer Truppe ebenso. Mundor wurde geschlagen und zu einem Bündnis mit Wesdfîn und Ostfîn gezwungen, von dem alle profitieren sollten.
Wir zogen uns in unser Hauptquartier an der Grenze von Wesdfîn zu Ostfîn zurück und feierten unseren Sieg. Auch hatten wir reichlich Sold bekommen, der nun von vielen sofort versoffen wurde. Andere besserten ihre Rüstungen aus oder schmiedeten neue Waffen. Ich nutzte die freie Zeit, um von einem Reisenden, der für ein paar Wochen bei uns blieb, lesen und schreiben zu lernen, so dass ich nun die Geschichte unserer Truppe niederschreiben kann. Nicht viele von uns können das, und ich bin stolz darauf, dass ich es kann.
Den Winter über blieben wir auch im Hauptquartier. Es ist eine kleine Taverne, wo wir kostenlos übernachten können, solange wir dort für ein bisschen Sicherheit sorgen. Unser Land ist rau, und so auch seine Bewohner. Es leben nicht nur Menschen hier. Dass man Orks, Trollen und Goblins begegnet, ist keine Seltenheit, aber genauso gibt es natürlich auch Zwerge und Elfen, und dass es da oft zu Streitereien kommt, ist nur zu logisch. Wir sorgen in der Taverne „Zum Kippenden Krug“ dafür, dass jeder zahlt, und wer Ärger macht, rausfliegt. Dafür können wir dort bleiben so lange wir wollen.

Der Winter ist auch die Zeit der Geschichten und Erzählungen, und so erfuhr ich von den Schlachten, die die „Roten Drachen" bestehen mussten, bevor ich dazugehörte. Ich erfuhr beispielsweise, wie unsere Truppe zu ihrem Namen kam. Eine andere Geschichte, die immer wieder erzählt wurde, war die der Burg Holte.
Im Jahre 1205, einen Sommer bevor ich mich der Truppe anschloss, trieb ein Raubritter in Mundor sein Unwesen. Er hatte eine Burg an einer wichtigen Handelsstraße, und ließ dort regelmäßig von seinen Mannen die Händler überfallen. Also wurden Söldner angeheuert, die diese Burg erobern sollten, und als Sold versprach man ihnen den Schatz des Raubritters, denn dieser hatte auch enorme Mengen an Kleinodien erbeutet. Nach langer Belagerung konnte die Burg genommen werden, doch der Schatz war nicht zu bekommen, er liegt nun verflucht auf dem Grunde eines sehr tiefen Brunnens.

Ich hätte nach Hause zurückkehren können. Der Krieg war vorbei, und meine Familie schaffte es tatsächlich einmal eine gute Ernte einzufahren. Aber irgendwie hatte ich mich auch an das Leben bei den „Roten Drachen“ gewöhnt und blieb.
Wir kämpften noch für viele Herren, verdienten uns unseren Sold und erlebten manch ein Abenteuer.

Vor zweieinhalb Jahren jedoch, im Winter, sollte sich alles ändern. Ende des Jahres 1207 bekamen wir einen Auftrag, der so gut bezahlt werden sollte wie keiner zuvor. Dafür war aber auch unser Risiko ungleich größer. Ein Adliger Herr hatte eine Tochter, die er gewinnbringend an einen anderen Adligen verheiraten wollte. Leider liebte diese Tochter heimlich einen anderen und erwartete ein Kind von ihm. Als ihr Vater das erfuhr, wollte er sich an diesem Liebhaber rächen und dessen Burg zerstört wissen. Der Liebhaber, der Burgherr, sollte sterben. Das war unser Auftrag. Von unserer Truppe waren nach den letzten Kämpfen noch etwa 35 Krieger übrig. Unser Anführer Jengor sah natürlich , dass das für einen direkten Angriff deutlich zu wenig waren, und wollte sich einschleichen. Bisher war er ein guter Anführer gewesen, es hatte sich nie jemand über ihn beschwert, noch nicht einmal die Orks. Eben diese Orks waren jetzt aber ein Problem. Wir Menschen konnten uns als Bauern oder Händler tagsüber einfach Zutritt zur Burg verschaffen. Einer von uns nahm all unsere Waffen auf seinen Karren und gab sich als Waffenhändler aus, ein anderer nahm unsere Rüstungen und kam als Schmied in die Burg. Aber wie mogelt man Orks hinein, die man 3 Tagesreisen gegen den Wind riecht? Sie sollten also nachts hereingelassen werden. Dabei wurden wir aber von der Nachtwache entdeckt, die doch aufmerksamer war, als wir dachten und Alarm schlug. Was dann kam war ein furchtbares Gemetzel und für viele das Ende ihres Lebens. Einige wenige konnten durch das von uns geöffnete Tor wieder nach draußen entkommen, wurden jedoch erbarmungslos verfolgt. Ich kämpfte oben auf dem Wehrgang gegen eine Wache, die mich von der Mauer stieß. Bewusstlos blieb ich draußen, am Fuß der Mauer liegen, und das war mein Glück, denn als ich später in der Nacht wieder erwachte und feststellte, dass ich mir glücklicherweise bei dem Sturz nichts gebrochen hatte, konnte ich fliehen.
Erst kehrte ich in die Taverne „Zum Kippenden Krug“ zurück, aber es war niemand aus der Truppe dort. Ich musste davon ausgehen, dass sie alle getötet worden waren und kehrte traurig in mein Elternhaus zurück.

Nach etwa einem Jahr erhielt ich aber die Nachricht, dass ich doch nicht die einzige Überlebende war. Ein paar Orks waren noch gar nicht aus dem nahen Wäldchen in die Burg gestürmt, sondern hatten aus ihrem Versteck die Unruhe auf dem Wehrgang bemerkt und hatten sich versteckt gehalten. Andere waren für tot liegen gelassen worden, obwohl sie noch lebten. Andere waren gefangen genommen worden und konnten entweder fliehen sogar freigekauft werden.

So taten wir uns im Winter des Jahres 1208 wieder zusammen, und im Frühjahr 1209 hatten wir eine neue Anführerin. Niemand hatte Jengor sterben sehen, aber er war auch nicht mehr zu uns zurückgekommen. Wo er war, wusste keiner. So übernahm Saranga seine Aufgabe uns anzuführen. Sie hatte es nicht leicht sich gegen Zarrâk durchzusetzen, vor allem, weil die Orks der Meinung waren, es sollte endlich mal ein Ork Anführer sein, aber sie schaffte es. Am Ende hatten sogar die Orks Respekt vor ihrer Wildheit und Kampfeslust. Genau diese Eigenschaften waren es aber auch, die Saranga nur ein Jahr später den Tod brachten. So standen wir im Frühjahr dieses Jahres wieder ohne Anführer da und Zarrâk riss sich den Posten unter den Nagel. Entweder es wollte niemand dagegen protestieren, oder es traute sich niemand, aber die Orks hatten erreicht was sie wollten. Ich dachte auch erst: „Wohin soll uns das führen?“, aber Zarrâk führte uns gar nicht mal so schlecht. Und so ist es bis heute. Mal sind wir als ganze Truppe unterwegs, manchmal nur einzelne von uns, aber wir treffen immer wieder im „Kippenden Krug“ zusammen und ziehen von dort aus ins nächste Abenteuer.

geschrieben im Herbst des Jahres 1210 von Kira